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Heute ist der: 23.03.2017.
 

Rebecca

Das Mädchen und der Kommissar

Demn√§chst schlagen dann also Hans-Jochen Wagner, Eva L√∂bau und der langj√§hrige Late-Night-Entertainer Harald Schmidt in Freiburg die Zelte auf, um im angrenzenden Schwarzwald Verbrechen aufzukl√§ren. Angek√ľndigt sind d√ľstere F√§lle mit humorvoller Note. Wie auch immer die sich genau gestalten: Der Kontrast zum scheidenden Vorg√§ngerteam aus Konstanz d√ľrfte augenf√§llig werden, was gewiss in der Absicht der Verantwortlichen vom SWR lag.

Ein Mann verbrennt in seinem Hauseingang. © SWR / Johannes Krieg

Zwei Krimis noch, dann verschwinden Klara Blum  und Kai Perlmann f√ľr immer im Bodenseenebel und von der "Tatort"-Landkarte. Nicht ohne noch mal m√§chtig Eindruck zu machen. Schon die zwei letzten, ungewohnt leichth√§ndig geratenen F√§lle lie√üen einen sp√§ten Formanstieg konstatieren. Den setzt nun ihr vorletzter Auftritt in beeindruckender und bedr√ľckender Weise fort: "Rebecca" - man denkt nat√ľrlich gleich an Hitchcock - ist ein bleischweres Psychodram √ľber ein unaussprechliches Verbrechen an Kindern.

Schon die ersten Szenen brennen sich ein: Eine junge Frau √ľbergie√üt einen leblosen Mann mit Spiritus und z√ľndet ihn an. Der Mann regt sich noch kurz und verstirbt dann in den Flammen. Die junge Frau kann im letzten Augenblick abgehalten werden, auch sich selbst zu entz√ľnden, und wird schwer hysterisch in ein Polizeiauto gesetzt. Was um Himmels willen ist hier geschehen? Nun, es ist alles viel schlimmer, als man sich das spontan h√§tte ausmalen k√∂nnen.

Blum und Perlmann arbeiten mit einer Psychologin zusammen. © SWR / Stephanie Schweigert

Die Frau, sp√§ter wird man sie als die titelgebende Rebecca identifizieren, hatte bei ihrem Opfer, einem unauff√§lligen Gesch√§ftsmann namens Olaf Reuter, jahrelang im Keller gehaust. Schl√∂sser waren nicht n√∂tig, um sie dort festzuhalten. Rebecca wurde im Alter von zwei Jahren entf√ľhrt und dann mittels einer parareligi√∂sen Doktrin zur fanatischen Untergebenen ihres "Erziehers" gedrillt - sexuelle Gef√ľgsamkeit inklusive. Eine der ihr eingebl√§uten Lehren: Der "Erzieher" muss im Todesfall von seiner Sch√ľlerin verbrannt werden. Tats√§chlich war Olaf Reuter vor seinem Flammentod aber nur ohnm√§chtig geworden - lag hier am Ende eine fatale Fehleinsch√§tzung vor?

Der letzte "Tatort", der √§hnliche Beklemmungen wie dieser ausl√∂ste, war im M√§rz 2015 die Bremer Episode "Die Wiederkehr" √ľber eine vom Verlust der Tochter traumatisierte Familie. Auch hier spielte Gro Swantje Kohlhof einen G√§nsehautpart - eine junge Hochstaplerin, die sich als vermisste Tochter ausgab. Als schwer verst√∂rte "Rebecca" liefert die 21-j√§hrige Hamburger Schauspielerin noch mal eine reifere Leistung ab. Wie w√ľrde wohl eine 17-J√§hrige um Identit√§t ringen, der diese Identit√§t auf so bestialische Weise geklaut wurde? So √§hnlich wie hier geschildert k√∂nnte es schon sein.

Nur gegen√ľber Perlmann √∂ffnet sich die v√∂llig verst√∂rte Rebecca. ¬© SWR / Stephanie Schweigert

Die hinzugezogene Psychologin kommt mit ihren Methoden nicht weit. Rebecca √∂ffnet sich alleine dem Kommissar Perlmann, weil sie in ihm einen neuen "Erzieher" zu erkennen glaubt. W√§hrend sie sich unterwirft, erwartet sie den gewohnten Befehlston. Wie ihr der begreiflicherweise √ľberforderte Polizist mit Strenge und Milde Informationen entlocken will, wie in seiner Brust die Herzen eines Seelsorgers und des Ermittlers pochen, wie ihm die Professionalit√§t abhandenkommt und er zugleich menschlich w√§chst, das ist von seltener dramatischer Qualit√§t und sehr ergreifend gespielt.

"Wei√üt du, woher die Kinder kommen?", fragt der Kommissar einmal das schrecklich weltentr√ľckte M√§dchen. "Sie werden geholt", lautet die best√ľrzende Antwort, der Perlmann energisch widerspricht "Nein, sie kommen aus ihrer Mama. Wie du fr√ľher auch!" - "Und wie gehen sie wieder weg?" - Dialoge, ersch√ľtternder als jede Explosion bei Til Schweiger. Wenn die oft kritisierten Blum und Perlmann bald Lebewohl sagen, werden sie auf den letzten Dr√ľcker vielleicht noch manchen Skeptiker zum Fan bekehrt haben.

Jens Szameit
Teleschau Mediendienst
 
 


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