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 717. Folge 

Baum der Erlösung

Sendelänge: 86:39

Drehbuch:
Felix Mitterer
Regie:
Harald Sicheritz
Erstsendung:
4.1.2009
Produktions-
sender:
ORF
Produktionsfirma:
CineTirol, Cult Filmprodutktion
Drehort:
Telfs, Umgebung von Telfs, Innsbruck, Wien
Bildformat:
16:9
Redaktion:
Alexander Vedernjak
Quote bei Erstsendung:
8.10 Mio. / 21.80%

Inhalt:


I.Im Wald, in der Nähe der Tiroler Marktgemeinde Telfs, wird eine junge türkische Frau - Ayse Ozbay -an einem Baum erhängt aufgefunden.

Zuerst geht die Polizei von einem Selbstmord aus, denn am selben Baum haben sich schon innerhalb eines Jahres drei andere türkische Mädchen und ein junger Mann erhängt, um einer Zwangsverheiratung durch die Familie zu entgehen. Die Türken nennen diesen Baum seither "Baum der Erlösung".

Bald stellt sich heraus, dass der Tiroler Freund des Mädchens verschwunden ist, und bei der Obduktion werden Spuren von Gewaltanwendung an der Toten entdeckt. Der Fall scheint höchst brisant, da die Stimmung in der Bevölkerung wegen des soeben fertig gestellten, heftig umstrittenen Minaretts ohnedies aufgeheizt ist.

Der vom Innenministerium entsandte Wiener Sonderermittler Moritz Eisner tritt auf den Plan, um den Fall so schnell wie möglich aufzuklären. In Telfs trifft Eisner auf zwei durch den Minarettbau zutiefst verfeindete Familien.

Als schließlich die Leiche des Tiroler Freundes Ayses im Möserer See gefunden wird, drängt sich Eisner ein schrecklicher Verdacht auf. Doch da verschwindet plötzlich auch Yasemin Ozbay, die Schwester der ermordeten Türkin.

II.Hinter der scheinbar friedvollen Bezeichnung "Baum der Erlösung" verbergen sich tragische Schicksale. An den Ästen dieses Baumes in einem Waldstück in der Nähe der Tiroler Marktgemeinde Telfs haben sich innerhalb nur eines Jahres drei türkische Mädchen und ein junger Mann erhängt, weil sie einer Zwangsehe entgehen wollten. Seitdem trägt der Baum diesen Namen. Als dort die junge Türkin Ayse Ozbay tot aufgefunden wird, geht die Polizei zunächst ebenfalls von einem Selbstmord aus.

Doch bei der Obduktion werden Spuren von Gewaltanwendung entdeckt und der Tiroler Freund des Mädchens wird vermisst. Als seine Leiche mit eingeschlagenem Schädel in einem See entdeckt wird, drängt sich dem vom Innenministerium entsandten Wiener Chefinspektor Moritz Eisner und seinem Tiroler Kollegen Franz Pfurtscheller ein schlimmer Verdacht auf. Hat Ayses Bruder Serkan Ozbay etwas mit diesem Verbrechen zu tun? Und warum verschwindet plötzlich ihre Schwester Melisa?

Die Stimmung im Tiroler Telfs ist explosiv, denn der Bau eines gerade fertig gestellten Minaretts ist höchst umstritten. Unversöhnlich stehen sich zwei Clans gegenüber - mit den Patriarchen Klaus Larcher für die Tiroler und mit Kazim Ozbay für die türkische Familie an der Spitze. Das Minarett ist nur der Anlass, in Wirklichkeit geht es um die strenge Trennung der Kulturen. Eine Zange mit bräunlichen Spuren, die vom Blut des Ermordeten stammen könnten, belastet Larchers Sohn Georg schwer. Ist sein Hass-Spruch "Wenn wir uns mit denen vermischen, löschen wir uns aus…" ein Schlüssel zu dem mysteriösen Mordfall?

Ein Weg der Hoffnung aus der Spirale der Gewalt eröffnet sich nach einer Verzweiflungstat von Ayses Mutter Enise durch das beherzte, mutige Eingreifen ihres Mannes Kazim Ozbay.


PRODUKTIONSNOTIZ
Felix Mitterer, der zu allen Tirol-TATORTen des ORF das Drehbuch schrieb: "Dieser Film ist ein einziger Aufruf zur Versöhnung. Es geht nicht darum, Gräben, die zugewachsen sind, aufzureißen. Und bei uns wird es besser als bei Shakespeares 'Romeo und Julia' ausgehen: Es müssen die Liebenden nicht sterben, damit die Väter sich die Hände reichen." Und: "Dieser TATORT ist für mich der beste von allen bisherigen, die ich geschrieben habe, weil er der Wahrheit am nächsten ist."

In die "Romeo und Julia"-Kerbe schlug auch TATORT-Neuling Harald Sicheritz. Für den Erfolgsregisseur ist dieser TATORT "eine ganz archaische Romeo-und-Julia-Thematik von Felix Mitterer. Es geht um das nicht reibungsfreie Zusammenleben zwischen Menschen in einem kleinen Kosmos, das aber auf das große Ganze übertragbar ist." Sein erster TATORT ist für den krimierfahrenen Filmemacher "eine besondere Angelegenheit, weil hier auf wunderbare Art gezeigt wird, wie stark Politik in unserem Alltag verwurzelt wird. Da halte ich es mit Josefine Mutzenbacher, die gesagt hat: 'Unpolitisch zu sein, ist politisch zu sein, ohne es zu bemerken'".

Für Harald Krassnitzer ist der neuen TATORT "auch der schönste, spannendste, politischste und vom Thema her interessanteste, den ich bisher gemacht habe - weil wir Geschichten von Menschen erzählen und ihre Ängste zeigen. Es gibt natürlich Ängste, die man nicht leugnen kann. Und sicher werden wir mit diesem Film die Welt nicht von heute auf morgen verändern, aber wir liefern einen Beitrag dazu."

Angesprochen auf den Minarett-Streit, der als authentischer Hintergrund für den Film dient, sagte Krassnitzer: "Als ich für die Dreharbeiten nach Telfs gekommen bin und den Gebetsturm gesehen habe, war ich sehr erstaunt, dass so ein kleiner Bau österreichweit Wellen geschlagen hat. Das Minarett ist 15 Meter hoch, die Ortskirche hat 65 Meter Höhe. Diese Dimensionen werden wir auch im Film zeigen."

Quelle: orf.at


Besetzung:

Moritz Eisner - Harald Krassnitzer
Franz Pfurtscheller - Alexander Mitterer
Ernst Rauter - Hubsi Kramar
Claudia Eisner - Sarah Tkotsch
Vedat Özdemir - Tim Seyfi
Klaus Larcher - Martin Leutgeb
Christian Larcher - Michael Steinocher
Georg Larcher - Christoph von Friedl
Edith Greiner - Bettina Redlich
Kazim Ozbay - Tayfun Bademsoy
Melisa Ozbay - Pegah Ferydoni
Serkan Ozbay - Sinan al Kuri
Enise Ozbay - Emel Heinreich
Ernan Ozbay - Ozan Aksu
Ayse Ozbay - Laila Alina Reischer



Stab:

Aufnahmeleitung - Roland Pfannhauser
Ausstattung - Thomas Vögel
Garderobe - Helga Lohninger
Kamera - Thomas Kiennast
Kostüme/Kostümbild - Uli Fessler
Licht - Jacob Ballinger
Maske/Maskenbildner - Andrea Soiron
Musik/Filmkompositionen - Lothar Scherpe
Produktionskoordination - Cata Schenk
Produktionsleitung - Christine Schwarzinger
Produzent - Burkhard Ernst
Produzent - Niki List
Regieassistenz - Ulrike Jacobs
Schnitt - Ingrid Koller
Ton/Filmtonmeister - Walter Amann


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DatumSender
05.01.2009ORF2
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Bild: ORF/Franz Neumayr
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