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Heute ist der: 21.01.2018.
 

"Kinder sind das hilfloseste Glied unserer Gesellschaft"

Sie ist unbestritten eine der besten, intensivsten Schauspielerinnen Deutschlands. Susanne Lothar kann auf der Theaterbühne überlebensgroß wirken oder wie in ihrem aktuellen TATORT-Kammerspiel zerbrechlich und dünnhäutig agieren wie keine Zweite.

Odenthal und Kopper befragen Katja Frege, Bild: SWR/Krause-Burberg
Für die Rolle einer Mutter, deren kleine Tochter an der quälenden Krankheit Mukoviszidose stirbt, konnte Regisseurin Aelrun Goette - mehrfach ausgezeichnet für "Unter dem Eis" und ihren Dokumentarfilm "Die Kinder sind tot" - wohl keine Bessere finden. Susanne Lothar, die selbst zwei gemeinsame Kinder mit ihrem verstorbenen Schauspiel-Kollegen Ulrich Mühe hat, ist jedoch nicht nur vor der Kamera eine engagierte Mutter. Auch privat kämpft die 47-Jährige für die Rechte von Kindern und Müttern.

"Der glückliche Tod" ist ein TATORT mit einem heiklen Thema. Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Wie ist Ihr persönlicher Standpunkt dazu?

Mein Anliegen war es, eine Diskussion zum Thema in Gang zu bringen.

Das heißt, Sie haben keine persönliche Entscheidung getroffen, wie Sie selbst handeln würden, wären Sie Mutter eines todkranken, leidenden Kindes?

Durch die Wahl der Rolle und wie ich sie interpretiere, finde ich, habe ich schon eine Menge von meinem Standpunkt preisgegeben. Ich empfinde die Diskussion zum Thema Sterbehilfe in Deutschland als wichtig. Ich möchte, dass viele Menschen diesen Film sehen und sich ihre eigene Meinung darüber bilden, wo Recht aufhört und Unrecht beginnt.

Am Ende wird der Mutter die Entscheidung für oder gegen Sterbehilfe abgenommen - das Kind erliegt seiner Krankheit. Hat sich der Film dadurch aus dem Dilemma befreit, eine klare Meinung auszusprechen?

Es bleiben viele zerstörte Existenzen zurück, das ist für mich kein offenes Ende eines Films. Der Film ist ausgesprochen berührend.

Katja Frege leidet mit ihrer Tochter Julia, deren Mukoviszidose unheilbar ist, Bild: SWR/Krause-Burberg
Sie sind selbst Mutter zweier Kinder. War diese Rolle besonders belastend oder vielleicht sogar ein schauspielerischer Selbstgänger, weil Sie sich gut in das Leid von Eltern hineinversetzen konnten?

Ich empfand die Rolle als sehr schwierig. Nicht, weil ich selbst Kinder habe, sondern weil ich das Leiden und den nahenden Tod eines Kindes als sehr belastende Vorstellung empfinde. Das nachzuempfinden - auch wenn es nur ein paar Szenen in einem Film waren - hat mich große Anstrengung gekostet.

Was hat Sie dabei am meisten Kraft gekostet?

Die Alternative der Mutter besteht darin, ihr Kind weiter leiden zu sehen oder die Initiative zu ergreifen, um ihre schwer kranke Tochter von mehr Leid zu erlösen. Diese Alternative heißt Sterbehilfe. Sich mit dieser Situation zu identifizieren, auf eine Weise, wie es die Regisseurin Aelrun Goette wollte, war eine große Herausforderung.

Was verlangte die Regisseurin?

Eine Intensität, die ans Leben heranreicht. Aelrun Goette, die selbst zwei Kinder hat, wies mich in jedem Moment des Drehs immer wieder darauf hin, um was es geht.

Aelrun Goette wurde bekannt durch den Dokumentarfilm "Die Kinder sind tot". Der Fall einer Mutter, die ihre Kinder tötete. Auch ihr Spielfilm "Unter dem Eis" handelt von einem Kind, das ein anderes beim Spiel tötet. Können Sie dieses fast schon besessene Sichhingezogenfühlen zum Thema Kinder, Leid und Tod nachempfinden?

Ich bin auf Aelrun Goette in der Tat wegen ihrer Dokumentation "Die Kinder sind tot" gekommen und wollte sie, nachdem ich den Film gesehen hatte, unbedingt kennen lernen. Damals hatte sie gerade "Unter dem Eis" vorbereitet, und ich sagte, dass ich da gerne mitspielen würde. Ich übernahm dann eine kleinere Rolle. Diese Begegnung mit ihr reichte jedoch, dass wir uns zum weiteren Arbeiten verabredet haben. Ich möchte sehr gerne wieder mit Aelrun Goette drehen.

Katja Frege sucht Michael Heymann auf, weil sie will, dass er ihr hilft, Bild: SWR/Krause-Burberg
Was hat Sie damals so gepackt an "Die Kinder sind tot"?

Der Sprung in die Wahrheit. Die Recherche im Umfeld. Das Offenlegen der Strukturen, in denen die Familie und die Kinder verfangen waren. Aelrun Goette ist der Wahrheit ziemlich nahe gekommen. Wenn sich jemand zwei Jahre mit einem solchen Thema beschäftigt, ist die Antwort sicher komplexer als die damaligen Schlagzeilen.

Die Öffentlichkeit wirkt immer wieder aufgerüttelt und fassungslos, wenn es um verwahrloste, tote Kinder geht. Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit so etwas nicht mehr vorkommt?

Zivilcourage ist der Schlüssel. Jüngere Kinder sind das hilfloseste Glied der Kette unserer Gesellschaft. Sie brauchen unser aller Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Das öffentliche Engagement für Kinder liegt Ihnen sehr am Herzen. Eine neue Entwicklung in Ihrem Leben?

Nicht unbedingt, das Thema liegt mir schon länger am Herzen. Kinder sind die Zukunft. Relativ neu ist allerdings mein Engagement für den Hamburger Verein SterniPark, der die Aktion "Findelbaby" ins Leben gerufen hat. SterniPark kümmert sich beispiellos um das Wohlergehen von Kindern, Babys und ihren oft verzweifelten Müttern mit viel persönlichem und kompetentem Engagement. Ich empfehle das Buch von Leyla Moysich "Und plötzlich ist es Leben". Ich würde mir wünschen, dass SterniPark mehr Förderer und finanzielle Unterstützung empfängt. Auch Sachspenden helfen sehr. Außerdem bin ich Schirmherrin der Deutschen Organisation von "Rote Nasen". Die "Roten Nasen" schicken Clowns ins Krankenhaus, unter anderem zu schwer krebskranken Kindern und helfen ihnen die unangenehmen Therapien besser durchzustehen. Ihre Arbeit ist großartig.



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