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Heute ist der: 19.01.2018.
 

Halleluja!

Der nächste TATORT mit Hauptkommissarin Lena Odenthal kommt ungewöhnlich daher - eine ernste und teils bedrückende Stimmung verströmt dieser Film und lässt kaum Platz für Späße unter Kollegen - hier geht es ans Eingemachte.

Schon der Titel ist ungewöhnlich - kann es einen glücklichen Tod geben? Das Drehbuch von André Georgi beantwortet die Frage deutlich: er kann. Doch was ist eigentlich davor? Und danach? Es gibt Antworten drauf, ganz eigene, und die scheinen plausibel. Widerlegen kann sie ohnehin niemand.

SWR/Krause-Burberg
Der neue TATORT aus Ludwigshafen thematisiert nicht mehr nur den Tod - wie so oft - sondern auch das Sterben. Und die Sterbehilfe, die hier in Deutschland illegal ist und trotzdem die Gemüter erregt. Das Thema ist wichtig, gemeinhin sicher gesellschaftsrelevant. Grund genug also dazu erneut einen TATORT zu machen.

Der Film erzählt die Geschichte von einigen großen und kleinen Frauen, die sich mit dem Sterben und dem, was danach kommt, beschäftigen: Die erste ist dem Tod bereits begegnet und wird aus dem Rhein geborgen. Die zweite, Lena Odenthal, begegnet dem Tod quasi immer sehr dienstlich, doch das Sterben begleitet sie in diesem Film auf ihre Weise auch sehr privat und offen.

Nicht nur Krimi...

SWR/Krause-Burberg
Sie und ihr Kollege Mario Kopper finden heraus, dass die Tote aus dem Rhein Sabine Brodag hieß, für einen Sterbehilfeverein arbeitete und wegen eines Vortrags in Ludwigshafen war. In Kopper löst das spontane Abwehr aus. Sterbehilfe ist für ihn völlig unannehmbar. Einen Verein wie die Charontas, der in der Schweiz Freitodbegleitung leistet und sich in Deutschland für die Legalisierung der Sterbehilfe einsetzt, hält er für unmoralisch. Lena sieht das natürlich anders und versteht Koppers heftige Reaktionen nicht; auch der Zuschauer mag anfangs denken, dass diese unverhältnismäßig sind für einen sonst so lässigen Ermittler wie den italienischen Commissario.

SWR/Krause-Burberg
Die Ermittlungen führen die Ermittler zu einer von Susanne Lothar toll gespielten Mutter, die darüber nachdenkt, ihrem Kind zum Tod zu verhelfen - ihr Zwiespalt lässt Lena nicht mehr los, genauso wenig wie das Leiden des liebenswerten kleinen Mädchens Julia. Hier hat Lena Odenthal ihren größten Moment der letzten 19 Jahre TATORT-Geschichte: sanft und einfühlsam, emotional und sehr intensiv gibt Lena viel von sich preis, macht aus einer Kriminalgeschichte mehr, ein Melodram. Die Figur Lena Odenthal in Lederjacke und einen Kleinkriminellen schlagend - das ist lange her!

...auch Melodram

Der Film stellt die Grundfrage: Sterbehilfe - Ja oder Nein? Und zeigt die Mutter, die am Sterben ihrer todkranken Tochter Julia fast verzweifelt. Was soll sie tun, wenn Julia sich wegen ihrer Mukosviszidose-Erkrankung jeden Tag aufs Neue ins Leben kämpfen muss und will, dass das endlich vorbei ist? Macht sie es richtig, wenn sie das Leid so lange wie möglich mit ihrer neunjährigen Tochter durchsteht, oder muss sie die Verantwortung auf sich nehmen, Julia den Weg in das Danach zu erleichtern? Gegenpart, auch argumentativ, in dem Film ist der Vater der kleinen Julia: Ihm ist der Gedanke, Julias Leben selbst zu beenden, ungeheuerlich: Für ihn ist Sterbehilfe tabu.
SWR/Krause-Burberg


Der kleine Bruder, selbst mit der familiären Situation überfordert, geht den Tod sehr offen an, konfrontiert seine kleine Schwester schonungslos mit dem Thema. Er ringt ihr ungeniert die vielen Kuscheltiere vorher ab, selbst ihr absolutes Lieblingstier, den Teddy Bruno. Und er ist es auch, der den Tod der Schwester quasi einleitet, damit dem Film zugleich eine elegante, vielleicht nicht ganz unerwartete Lösung beschert. Denn der Film gibt auf die eigentliche Frage ""Was tut man, wenn das eigene Kind um seinen Tod bittet?" keine Antwort vor - das möge sich der Zuschauer selbst beantworten, meint Regisseurin Aelrun Goette.

Was ist mit Lena und Kopper los?

Natürlich sind heitere Momente in diesem TATORT selten - auf sie kann der Film denn auch gut verzichten. Exotisch kommt die Sekretärin Frau Keller daher, die sich in Kalifornien verliebt hat - aber mehr ist nicht in diesem Film. Zwischen Lena und Kopper herrscht anfangs fast Eiseskälte: im Auto wird gar nicht gesprochen; wenn Kopper zu benachrichtigen ist, bittet Lena die Kollegen darum, es zu tun. Beide gehen dienstlich und sachlich miteinander um, kein ein privates Wort. Haben wir was verpasst? Was ist los mit den beiden? Es kann ja nicht nur am Fall liegen, denn schon bevor sie an die Leiche gerufen werden, ist diese Stimmung - unterstrichen durch die eindringliche Musik ("So nervous and blue" von Element of crime) spürbar, geradezu aufwühlend.

SWR/Krause-Burberg
Fazit: Der glückliche Tod ist ein sehenswerter Film, dabei sicher ein ungewöhnlicher und zugleich sehr starker TATORT. Ungewöhnlich für Ludwigshafen-Verhältnisse am TATORT ist er allemal - aber womöglich Lenas bester Fall bisher. Vielen wird er womöglich zu düster sein; wieder wird es Beanstandungen geben, die Krimigeschichte gerate zu sehr in den Hintergrund, kein Humor oder Frozzeleien zwischen den Ermittlern. Aber die besten TATORTe sind immer die, die bewusst aus dem Rahmen fallen und auch mal die eine oder andere unangenehme Frage aufwerfen und thematisieren.

Der TATORT feierte am 23. Juni 2008 in München auf dem Filmfest seine Premiere und wird am 5. Oktober 2008 in der ARD erstgesendet. Im November wird der TATORT auch auf dem Filmfestival in Baden-Baden laufen und hoffentlich die Anerkennung erlangen, die ihm gebührt.

Francois Werner


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