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Heute ist der: 22.09.2017.
 

?Bei mir kam es darauf an, verschiedene Stadien der VerÀngstigung zu zeigen?

GesprÀch mit Maren Kroymann

Andrea bei den Vorbereitungen fĂŒr das Erntedankfest, Bild: NDR/Christine Schroeder
Ihre Figur im neuen ?Tatort? greift nicht nur gerne zur Heckenschere, sie fertigt außerdem Skulpturen. Macht das Ihre Andrea zur schrĂ€gsten Gestalt unter all den schrĂ€gen GĂ€rtnern?
So schrĂ€g ist sie gar nicht. Sie selbst mag sich zu den Ausgeflippten zĂ€hlen, aber auch sie findet ihren Platz in der Kleingarten-Gemeinschaft. Sie ist Kunstlehrerin und tobt sich mit ihren Skulpturen in ihrer Freizeit etwas aus. Gut, im Vergleich zu ihren MitgĂ€rtnern ist sie unbĂŒrgerlich ? das genießt sie und kostet es aus.

Als KleingÀrtnerin Andrea sind Sie kaum wiederzuerkennen ? warum diese Maskerade?
Das verblĂŒfft mich aber jetzt. So extrem fand ich diese Maske nicht. Im Wesentlichen trage ich eine große Brille und habe die Haare nach hinten gesteckt ? das ist schon alles. Vielleicht fĂ€llt es auf, weil Frauen im Fernsehen seltener mit Brille zu sehen sind. Privat trage ich ĂŒbrigens oft Brille ? ich bin kurzsichtig.

In der ARD begannen Sie Ihre Karriere mit den Serien ?Oh Gott, Herr Pfarrer? und ?Vera Wesskamp?. Zu einem großen persönlichen Erfolg kamen Sie als kabarettistische ?Nachtschwester Kroymann?, ebenfalls im Ersten.Können Sie auch als KleingĂ€rtnerin Andrea Ihr komödiantisches Talent einbringen?
Ja, die grotesken und witzigen ZĂŒge dieser Geschichte koste ich schon aus. Diese Facetten sind beim ?Tatort? eher ungewöhnlich, meistens bietet diese Krimireihe sehr gute, realistische, teilweise fast reportageartige Abbilder sozialer VerhĂ€ltnisse oder Geschehnisse. Mir hat es großen Spaß gemacht, dass dieser ?Tatort? auch ins Humorvoll-Groteske hineinreicht. Es gibt diesmal extrem pittoreske Arten, zu Tode zu kommen...

Dass KĂŒnstler gesundheitlich schwĂ€cheln, wissen wir seit den ?Buddenbrooks? von Thomas Mann. Gehört auch Andrea zu diesen hochsensiblen, zerbrechlichen Wesen?
Ja, sie ist sozusagen die schul-affine Variante dieses Typus. Manche Leiden werden ja auch durch seelische Befindlichkeiten oder traumatische Erlebnisse ausgelöst ? oder verstÀrkt.

Schauspieler dagegen mĂŒssen zwar sensibel, aber gesundheitlich robust sein, nicht wahr?
Ja, allein schon fĂŒr die vielen Außen- und Nachtdrehs fĂŒr diesen ?Tatort?, bei denen es etwas klamm wurde. Deshalb ist die professionelle Grundlage solcher Drehs fĂŒr mich zunĂ€chst mal ein NierenwĂ€rmer aus Angora-Wolle.

Ist Ihnen selbst denn die Welt der KleingÀrtner vertraut?
Sie ist mir nicht fremd.Wenn ich mit meinem Hund im Berliner Grunewald spazieren gehe, komme ich an den KleingĂ€rten entlang. Ich habe mich allein deswegen ĂŒber dieses Rollenangebot gefreut, weil ich dadurch dieses GĂ€rtner-Biotop einmal aus der Innensicht kennen lernen konnte. Allerdings verrĂ€t allein der Blick von außen bereits eine Menge: KleingĂ€rtner sind meist extrem ordnungsliebend. Die Art, in der sie Blumen oder BuchsbĂ€ume pflanzen oder Hecken schneiden, sagt viel ĂŒber ihren Charakter aus.

Nicht nur Ihre KleingĂ€rtnerin Andrea scheint ein Geheimnis zu umgeben, auch Ihr Film-Ehemann JĂŒrgen wirkt verdĂ€chtig wortkarg. Liegen in dieser Ehe Angst und Beklemmung in der Luft?
Es gibt ein Geheimnis, das beide kennen, aber sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es liegt eine Last auf dieser Beziehung. Und weil Andrea die Sensibelste in der Kolonie ist, kann sie es am wenigsten verbergen.

Aber sie ist kein Fall fĂŒr die Psychiatrie, wie jemand im Film sagt?
Im Gegenteil. Unter den KleingĂ€rtnern ist sie am dichtesten dran an einem normalen Empfinden. Sie möchte diese Last loswerden, sie kann damit nicht lĂ€nger leben. Ihr moralisches Gewissen scheint noch einigermaßen intakt zu sein.

Welche Rolle spielen hier die verdrÀngten Erinnerungen?
Einige in der Kolonie schaffen es gut, Erinnerungen zu verdrÀngen, andere schaffen das weniger gut ? und die sind auch gefÀhrdeter.

Haben Sie die Rolle zusammen mit Angelina Maccarone entwickelt? Woran lag Ihnen beiden besonders bei dieser Figur?
Angelina hatte das Drehbuch schon fertig, als sie mich fragte, ob ich Lust hĂ€tte, in einem ?Tatort? mitzuwirken. NatĂŒrlich habe ich Lust gehabt! Ob sie mich beim Schreiben schon im Auge hatte, weiß ich nicht.

Welche Szenen fanden Sie besonders reizvoll? An welchen Szenen haben Sie intensiv gearbeitet?
Bei mir kam es darauf an, verschiedene Stadien der VerĂ€ngstigung zu zeigen. Meist geschieht dies in der Auseinandersetzung mit Kommissarin Lindholm, die als einzige einen Ansatz findet, zu Andrea durchzudringen. Mir lag daran zu zeigen, wie sich Andrea der Kommissarin gegenĂŒber Schritt fĂŒr Schritt öffnet, ihre Angst und Verdruckstheit ein wenig ĂŒberwindet und Vertrauen zu ihr gewinnt.

Sie haben Mut zu außergewöhnlichen Rollen: Im mehrfach prĂ€mierten Kinofilm ?Verfolgt?, fĂŒr den Sie gerade jetzt im Februar mit dem Preis der deutschen Filmkritik als beste Darstellerin ausgezeichnet wurden, spielen Sie eine BewĂ€hrungshelferin, die eine sadomasochistische Beziehung zu einem 16-jĂ€hrigen StraftĂ€ter eingeht...
...vor kurzem bekam ich erstaunlicherweise auch in Argentinien einen Preis fĂŒr diesen Film ? als beste Schauspielerin. Die Produzentin hatte ?Verfolgt? bei verschiedenen Festivals eingereicht. Über diesen internationalen Preis war ich wirklich platt!

Wie viel Mut hat diese Rolle Ihnen abverlangt?
Vor allem verlangte es Mut, diesen Film ĂŒberhaupt zu drehen! Ich hatte eine mutige Produzentin und eine kĂŒhne Regisseurin ? Angelina Maccarone. Es kostete mich eigentlich nicht so viel Überwindung, mich auf die sehr direkte, ungeschminkte Ästhetik dieses Films einzulassen. Klar, man sieht dort nicht nur jedes FĂ€ltchen in meinem Gesicht, ich finde sogar, dass ich Ă€lter aussehe als in Wirklichkeit...

Bei den meisten Kino-Lovestorys sind die Liebenden jung und attraktiv...
Ja, aber es war auch wie eine Befreiung, dass sich die Erotik hier einmal nicht durch das möglichst jugendliche, knackige Aussehen der Frau entwickeln sollte. Das Begehren des jungen, ausgesprochen hĂŒbschen Mannes entzĂŒndete sich an der Reife dieser Ă€lteren Frau, an ihrer AutoritĂ€t. Ich habe es richtig genossen, das spielen zu dĂŒrfen. Aber die Frauen-Klischees zu unterlaufen, das hat mir schon bei ?Nachtschwester Kroymann? Spaß gemacht.

Zuvor traten Sie immer wieder beim ?Scheibenwischer? in der ARD auf.Hat Dieter Hildebrandt Ihnen Mut gemacht, Ihren Weg zu gehen?
Ich war glĂŒcklich und aufgeregt, neben ihm live auf der BĂŒhne zu stehen. Dieter Hildebrandt hat Frauen im Kabarett sehr gefördert ? und zwar, indem er sie eingesetzt hat. FĂŒr mich als unbekannte AnfĂ€ngerin war der ?Scheibenwischer? wie ein Ritterschlag. Das war ein gewaltiger Ansporn fĂŒr mich. Heutzutage spielt meist Mathias Richling die Frauenfiguren.

NDR-Pressemappe


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