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Der "Peter Alexander"-Typ unter den frühen TATORT-Ermittlern

Als der TATORT 1970/1971 an den Start ging, wurden ausschließlich Ermittler im Rang des Kommissars eingeführt, die aufgrund ihres Alters, ihrer Statur, Haltung und Rolle als "Vaterfiguren" bezeichnet werden konnten. Kressin bildete hierbei die große Ausnahme - nicht nur äußerlich.

Kressin am Kölner Hauptbahnhof in der Folge "Kressin und der Laster nach Lüttich". Bild:WDR
Denn Kressin war im Unterschied zu den anderen Ermittlern kein Hauptkommissar älteren Jahrgangs, sondern ein junger, smarter Zollfahnder. Er war nicht wirklich alt, im Gegenteil; er war agil und sportlich, schlug sich mit Verdächtigen und wälzte sich mit Frauen in Lotterbetten. Auch eine Autoritätsperson war er wohl nicht, kein klassischer Beamter: von Dienstpflichten hielt er nicht allzuviel. So sagte er einmal zu seinem Hamburger Kollegen Trimmel: "Die Dienstvorschrift müssen Sie mir erst mal zeigen!". Respekt gegenüber Vorgesetzten: Fehlanzeige.

Kein Team-Player, sondern Einzelgänger

Und noch ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Im Gegensatz zu den anderen TATORT-Ermittlern hatte Kressin als Einzelgänger keinen Assistenten und ermittelte meist überwiegend fernab von seinem Dienstort - auf internationalem Parkett. Seinen Einzelgänger-Status verteidigte er, wo es möglich war. Auch er hatte in der damaligen Tradition die Aufgabe, sich mit Gastauftritten in TATORT-Folgen anderer Kommissare bei den Zuschauern ins Gedächtnis zu rufen. Doch so schnell, wie er da auftauchte, so schnell entledigte er sich seiner Kollegen wieder. In "Der Fall Geisterbahn" stellt er - quasi zwischendurch, ohne große Mühe - für die Frankfurter Kollegen an einem Grenzbahnhof kurzerhand Schmuggler, rast dann jedoch schnellstmöglich mit einem Cabriolet davon - natürlich in weiblicher Begleitung. Die ermittelnde Tätigkeit gerät bei Kressin zur Nebensache.

Reger Kontakt mit Frauen

Im Unterschied zu seinen Ermittler-Kollegen hatte der Zollfahnder regen Umgang mit den unterschiedlichsten weiblichen Geschöpfen - und das nicht immer nur dienstlich. Dies führte schon nach der ersten Ausstrahlung eines Kressin-TATORTs dazu, dass sich unter Bezugnahme auf die TATORT-Sendung viele Leute beim Kölner Zollamt bewarben. Stilgebend waren sein äußert legerer Kleidungsstil; er war nicht in Trenchcoat gezwängt, trug selten Schlips und legte auch seltener gute Manieren an den Tag - lieber prügelte er sich, machte chauvinistische Witze auf Kosten anderer und war auf seine Art sehr entwaffnend....
Kressin war bei seinen Ermittlungen stets von Frauen umgeben: Was hat die reizende Asiatin Lynn mit den zwei Damen aus Jade zu tun? Bild:WDR

Gegen das TATORT-Konzept

Die Märchenfigur des Zollfahnders Kressin war im Grunde ein glatter Verstoß gegen das TATORT-Konzept, das ausgerechnet von seinem Produktionssender, dem Westdeutschen Rundfunk, geprägt und in die Gemeinschaftsproduktion innerhalb der ARD eingebracht wurde. Der Hauptgrund dafür war, dass die neue Kriminalreihe TATORT Ende 1970 schnell eingeführt werden musste. Als man sich innerhalb der ARD-Gemeinschaft für die Realisierung des Projekts - zunächst auf 2 Jahre befristet - entschied, schauten die Landesrundfunkanstalten, was sie so im Film-Schrank hatten und was in die neue Kriminalreihe gegen den ZDF-Quotenerfolg "Der Kommissar" eingebracht werden konnte.

Die ARD schaute, was für die Reihe "passte"

Neben dem NDR und ORF, die schon ihre Kommissare Trimmel und Marek eingeführt hatten, bedienten sich der SDR und HR bereits fertiggestellter Dokumentationen mit kriminalistischem Einschlag: "Auf offener Straße" und "Frankfurter Gold". Auch der SR hatte mit "Saarbrücken, an einem Montag" einen Film produziert, der auf wahren Begebenheiten beruhte, trotzdem deutlich stärker fiktionaler daherkam. So bediente sich auch der WDR in diesem Moment schnell der Kunstfigur Zollfahnder Kressin, die er schon in der Schublade und eigentlich für eine eigenständige Fernsehserie entwickelt hatte. So konnte die ARD die ersten Filme der neuen TATORT-Reihe rekrutieren und schnell an den Start gehen.
Kressin-Erfinder Wolfgang Menge im Jahr 2004.© WDR/Herbie Sachs

Querelen um die Kressin-Besetzung

Der Erfinder der Märchenfigur Kressin war der Erfolgsautor Wolfgang Menge. Der war bekannt für durchaus kritische Untertöne, mit denen er auch in Bezug auf den Kressin-TATORT nicht sparte.

Wie er Jahre später verriet, war Menge mit der Besetzung der Figur Kressin alles andere als einverstanden. Nachdem er sich mit dem WDR auf den Darsteller Heinz Bennent geeinigt hatte und ihn beim Schreiben der Drehbücher auch vor seinem geistigen Auge hatte, kam es zur einer Besetzungsänderung. Denn einem der vier ersten Kressin-Regissuere passte Bennent nicht. In in einem großen Casting einigten sie sich schließlich auf einen Darsteller, mit Einverständnis des WDR: auf Sieghardt Rupp.

Den hielt Menge zwar für einen geeigneten Schauspieler, aber eben auch nicht für die Idealbesetzung. Nach dem 5. TATORT beendete Menge die Zusammenarbeit an den Kressin-Folgen und wird wie folgt zitiert: "Jeder Autor hat beim Schreiben eine konkrete Vorstellung von der Figur, die er erfindet. Rupp als Kressin - das ist, als ob man die Rolle für Kirk Douglas schreibt, und hinterher spielt sie Peter Alexander"

Francois Werner


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