Heute ist der: 03.09.2010.  --> Bis heute wurden 782 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt.
 

Das Angenehme und das Nützliche

Kommt die Rede auf Kommissar Haferkamp, fällt sie vielen Fernsehzuschauern als erstes ein: die geschiedene Ehefrau! Haferkamps liebevolle Ex Ingrid, gespielt von Karin Eickelbaum, trat in nahezu jedem TATORT mit Hansjörg Felmy auf - und verkörperte einen Frauentyp, den sich so manche Frau erträumte.

 Ingrid und Heinz Haferkamp. Bild:WDR
Heinz Haferkamp war der erste TATORT-Ermittler, der so etwas wie Privatleben haben durfte. Die Figur der geschiedenen Frau füllte diesen Bereich aus, ließ sich aber darüber hinaus aber auch stärker in die Fälle einbinden.

Regelmäßig sucht Haferkamp seine Ex-Frau auf, mit der er sich seit der Scheidung prächtig versteht, und erzählt ihr von seinen Verdächtigen und Fällen, die ihm gerade zu schaffen machen. Ingrid ist seine Anlaufstelle. Sie versorgt ihn nicht nur mit Buletten und erleseneren Mahlzeiten, sondern hat stets ein offenes Ohr für ihn und hilft ihm immer irgendwie weiter. Mal bringt sie ihn im Gespräch auf den richtigen Gedanken, mal unterstützt sie ihn tatkräftig als Hilfspolizistin.

Nach der Scheidung ein unbeschwertes Verhältnis

In diese Rolle bringt Haferkamp sie allzu gern, wenn er selbst mit seinen Ermittlungen nicht weiter kommt. Gleich im ersten Fall "Acht Jahre später" schickt er Ingrid vor, damit sie eine Verdächtige aushorcht. In "Wodka Bitter Lemon" nimmt er sie mit auf Sylt, wo sie sich für ihn ein bisschen in der Kunst-Szene umhören soll, und in "Die Kugel im Leib" reist er mit ihr nach Italien - getarnt als Urlauberehepaar. "Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden" nennt Haferkamp diese Mischung aus Ermittlung und Privatleben, die allerdings Zündstoff birgt. Denn: Ingrid spielt diese Spielchen anfangs noch ganz gern mit, aber sobald sie mit dem harten Polizeialltag konfrontiert wird, reagiert sie allergisch: Warum sie sich immer wieder in diesen "verdammten Dreck" reinziehen lasse, fragt sie sich am Ende von "Die Kugel im Leib" verärgert, als der von Haferkamp gejagte Täter auf tragische Weise ums Leben kommt. Bei dieser Gelegenheit erfährt der Zuschauer nebenbei, dass Haferkamps Job einst Ursache für die Scheidung gewesen sein muss.

Es ist wohl auch der unterschiedliche Lebensstil, der ein dauerhaftes Zusammenleben unmöglich macht: Er ist der ruhige Einzelgänger, der nur seinen Beruf im Kopf hat, sie eine erfolgreiche Fotografin, eine lebenslustige Frau, die gerne Partys schmeißt und sich mit den Schönen aus der Schickeria umgibt. Heinz wirkt auf solchen Feten etwas deplaziert, er kommt offensichtlich nur aus Höflichkeit und extra spät, in der Hoffnung, seine Ingrid möglichst für sich allein zu haben. Springt bei solchen Besuchen allerdings etwas für seine Ermittlungen heraus, ist er wieder Feuer und Flamme (so in "Lockruf").

Eine Erfindung Felmys: Ex-Frau Ingrid

Zoff ist bei Heinz und Ingrid eher die Ausnahme, letztlich verbindet die beiden in dieser "merkwürdig gebrochenen Beziehung" (so Produzent Werner Kließ) doch noch so etwas wie Liebe und Zuneigung, was gelegentlich durchschimmert. Wie durch eine Bettszene in "Treffpunkt Friedhof" angedeutet wird, schlafen die beiden noch miteinander. In "Spätlese" beherbergt Haferkamp Ingrid für ein paar Tage: Er schmückt die Wohnung mit Blumen, diätet (verrät aber nicht, für wen) und geht, so unterstellt zumindest Kollege Willy, "abends etwas beschwingter als sonst nach Hause". In "Schweigegeld" liegt Ingrid nach einem schweren Unfall im Krankenhaus, was Haferkamp einen tiefen Schlag versetzt. Er konzentriert sich nicht mehr auf die Ermittlungen und lässt sich Verdächtige durch die Lappen gehen.

 TATORT: Lockruf: Ingrid und Heinz ganz nah beieinander, Bild:WDR

"Mochten uns, ohne dass wir uns liebten"

"Wir mochten uns unheimlich gerne, ohne dass wir uns liebten", charakterisierte Hansjörg Felmy das Verhältnis Heinz/Ingrid 2000 in der TV-Dokumentation "Mord nach der Tagesschau - 30 Jahre Tatort". Und Schauspielkollegin Karin Eickelbaum ergänzte: "Ich in meiner Rolle habe ihn immer noch geliebt, hatte sicherlich zwischendurch noch andere Herren, aber die wichtigste Person ist immer er geblieben ... Ich wurde immer wieder von Leuten angesprochen, die sagten: ‚Mein Gott, wenn´s mir mit meinem Ex auch so ginge, das wär schön!" Ihre Ingrid sei eine schicke, intelligente Person gewesen, die nicht nur einen "fabelhaften Beruf", sondern auch alle Freiheiten hatte und ihr Leben in vollen Zügen genoss. "Ich glaube, es war genau der Frauentyp, der von allen Frauen erträumt wurde."


Dominik Pieper
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