Schon bevor Klaus J. Behrendt ab 1997 an der Seite von Dietmar Bär als Kölner TATORT-Kommissar große Popularität errang, hatte er sich in seiner Rolle als Max Ballauf einen Namen gemacht. Zwischen 1992 und 1994 ermittelte er neben Martin Lüttge als Bernd Flemming und Roswitha Schreiner als Miriam Koch in acht Fällen des Düsseldorf-TATORTs.
Im Team um Bernd Flemming konnte man ihn fast schon als Sorgenkind bezeichnen: Max Ballauf – Flemmings ewig unzuverlässiger Assistent. Zum Dienst kam Ballauf entweder zu spät oder vollkommen übermüdet. Oder er kam gar nicht. Denn der verheiratete Familienvater war stets pleite und dadurch gezwungen, verschiedene Nebenjobs anzunehmen. Ob als Kellner in einem italienischen Restaurant oder als Fensterputzer: Bei seiner Arbeit begegnete er – selbstredend immer im unpassendsten Moment – seinem Chef Flemming oder seiner Kollegin Miriam.
Mit dem Dienstwagen nach Paris…
Seine wechselnden Jobs, die damit verbundene Unzuverlässigkeit und seine Anstrengungen, den jeweils aktuellen Nebenjob so lange wie möglich vor seinem Chef geheim zu halten, wurden bald zu wichtigen, charakterbildenden Eigenschaften der Figur Max Ballauf.
Meist bemühte sich Max erfolglos, den Schaden, der durch seine Doppelbelastung entstanden war, möglichst gering zu halten. Zu Höchstleistungen war er in Folge dessen in keinem seiner Jobs fähig. In der Folge „Der Mörder und der Prinz“ fährt er sogar mit dem einzigen Dienstwagen des Teams nach Paris um frischen Fisch für die Pizzeria, in der er als Kellner arbeitet, zu besorgen. Dass er die Konsequenzen eines Disziplinarverfahrens nicht zu tragen hat, verdankt Max Flemming, der sich gegenüber dem Staatsanwalt schützend vor seinen Zögling stellt.

Max und der TATORT: Immer eine Doppelbelastung... (Bild:WDR)
Durch sein Fehlverhalten steht die Figur Ballauf in starkem Kontrast zu Miriam Koch, der jungen Kollegin im Team um Flemming. Die Tochter aus gutem Hause ist gebildet, weltgewandt, extrem ehrgeizig und tough – also alles was Max nicht ist. Selbst beim gemeinsamen Sport ist er Miriam unterlegen und muss sich im Judo Training von ihr auf die Matte legen lassen. Vor allem gegenüber dem gemeinsamen Chef ist es stets Max, der einen schlechten Eindruck hinterlässt.
Die Hoffnung auf das schnelle Geld
Doch auch wenn diese Figuren nicht unterschiedlicher angelegt sein könnten, der Zusammenhalt zwischen den Charakteren ist immens. Wenn Flemming richtig wütend auf Ballauf ist, vermag es nur Miriam zwischen den beiden zu vermitteln und den Chef dazu zu bewegen, seine angedrohten Strafen nochmals zu überdenken. Und wenn Max andererseits wohl wissend gegen die Anweisungen und Vorgaben Flemmings handelt, nimmt er zwar dessen Wut billigend in Kauf, versichert sich jedoch stets vorher Miriams Loyalität.

Max stand oft im Schatten seiner Kollegin Miriam Koch (Bild:WDR)
Diese reicht sogar soweit, dass Miriam in der Folge „Deserteure“ Max’ Spielschulden übernimmt. Ohne mit der Wimper zu zucken stellt sie ihm einen Scheck über 10.000 DM aus. Dies war die Summe, die Max, in der Hoffnung auf das schnelle Geld, am Spieltisch verzockte. Aus lauter Sorge um Max nimmt Miriam ihm allerdings das Versprechen ab, der Spielerei damit ein für allemal abzuschwören.
Max’ Wunsch, die festgefahrenen Strukturen einmal umzukehren, und Miriam in seinen Schatten zu stellen, ist sicherlich auch ein starkes Motiv für sein eigenmächtiges Handeln, das neben seinen wechselnden Nebenjobs zu einem Markenzeichen des jungen Ballauf geworden ist. In fast jeder Folge greift Ballauf ohne vorherige Absprache mit Flemming in die laufenden Ermittlungen ein. Mit seinen riskanten und oftmals illegalen Aktionen, die selten zum Ziel führen, gefährdet er die Ermittlungen – und seinen Job bei der Mordkommission. Denn anstelle des erhofften Respekts oder Lobs von Flemming, reagiert dieser meist wütend und droht mit Strafversetzungen oder Disziplinarverfahren.

Flemming: Ein väterlicher Freund für Max Ballauf (Bild:WDR)
Flemming und seine väterliche Fürsorge
In „
Die Flucht nach Miami“ bricht Max – um nur ein Beispiel zu nennen – als „Rächer der kleinen Leute“ in ein dubioses Kreditinstitut ein, dessen Betreiber aus der Not und Verzweiflung einfacher Menschen skrupellos Profit zieht. Angetrieben von seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Antipathie gegenüber dem schmierigen „Kredithai“, sucht Max nach aussagekräftigen Beweisen, um den mutmaßlichen Täter zu überführen. Als Flemming von Max Einbruch erfährt, versetzt er ihn zur Sitte. Hier wird Max bei einer Observation im Hallenbad eingesetzt.
Lange kann Flemming Max jedoch nie böse sein! Im genannten Fall holt er SEINEN Max schon nach kurzer Zeit in die Mordkommission zurück und bezieht ihn sogar wieder in den laufenden Fall ein. Auch in anderen Folgen verzeiht Flemming Ballauf in einer Mischung aus Männerfreundschaft und väterlicher Fürsorge eigentlich sofort und sorgt dafür, dass er keine oder nur die nötigsten Konsequenzen zu tragen hat.
Die vielschichtige Beziehung zwischen Max Ballauf und Flemming ist wie beschrieben wurde, einerseits geprägt von Flemmings Fürsorge und Freundschaft und andererseits von Flemmings autoritärem Führungsstil. Deutlich wird dies schon allein dadurch, dass die beiden sich abwechselnd Duzen oder Siezen – was nicht selten im selben Satz variiert. Ist Flemming ganz der Vorgesetzte, gehen die beiden zum förmlichen Sie über, versucht er allerdings ein vertrauliches Gespräch mit Max zu führen oder ist wütend auf ihn, sprechen sie sich gegenseitig mit Du an – ein Privileg, dass Max vorbehalten ist und Miriam nicht zu Teil wird.
Auf Nebenjobs angewiesen
Während Flemming sich seinem eigenen Sohn Ingo gegenüber eher kumpelhaft verhält, ist er ständig in Sorge um seinen Mitarbeiter Max, was sicherlich auch der Hauptgrund dafür ist, ihm seine Verfehlungen nie lange nachzutragen. Flemming genehmigt Max sogar Urlaub oder lässt ihn früher Feierabend machen. So kann er seine Nebenjobs, auf die er finanziell angewiesen ist, koordinieren.

Max Ballauf ermittelt: "Mord in der Akademie" (Bild:WDR)
Oft sucht er das Gespräch mit Max, um seine Probleme zu lösen, und. Er kümmert sich rührend um ihn, als dieser das erste Mal in seiner beruflichen Laufbahn einen Menschen in Notwehr erschießt. Von Flemming kommt auch der Tipp sich auf eine ausgeschriebene und höher bezahlte Stelle zu bewerben. Damit hätte Max endlich genug finanziellen Spielraum, um auf seine lästigen Nebenjobs zu verzichten. Dass Miriam sich längst auf diese Stelle beworben und vermutlich die besseren Chancen hat, versteht sich von selbst.
In der Folge „Deserteure“ gleitet Max ins Spielermilieu ab. Da er seine Spielschulden nicht mehr begleichen kann, wird er von seinen Gläubigern verprügelt. Als Max schließlich mit gebrochener Nase im Büro erscheint, ahnt Flemming sofort was los ist. Dass Max abweisend auf Flemming reagiert, sich ihm unter keinen Umständen anvertrauen möchte und seine Hilfe kategorisch ablehnt, ist die typische Reaktion Ballaufs.
Ab nach Kanada

Max in seinem letzten Düsseldorf-Fall: "Die Frau an der Straße" (Bild:WDR)
Sein fast schon trotziges Verhalten, hängt sicherlich auch mit seinem schlechten Gewissen gegenüber Flemming zusammen. Hat er seinen Chef enttäuscht, fällt es ihm schwer seine Hilfe beziehungsweise sein Verständnis zu akzeptieren. Symptomatisch für die Konstellation der beiden Figuren ist allerdings auch, dass Max meistens keine Wahl bleibt – er ist auf die Gutmütigkeit seines Chefs angewiesen. In „
Deserteure“ schließlich weiß sich Flemming nicht mehr anders zu helfen, als Ballaufs Frau anzurufen um ihr klar zu machen, wie es um die finanzielle Lage der Familie bestellt ist.
Seinen vorläufigen Abschied von der TATORT-Reihe feiert Max Ballauf in der Folge „Die Frau an der Straße“ (1994). Ballauf kündigt seinen Job bei der Kripo um nach Kanada auszuwandern. Dort möchte er bei einem Freund in einem Fish & Hunting Resort mitarbeiten und endlich mehr Zeit mit seinen Kindern und seiner Frau verbringen.

Max und Flemming jagen gemeinsam einen flüchtigen Verdächtigen: "Gefährliche Erbschaft" (Bild:WDR)
Als Flemming allerdings vom Dienst suspendiert wird, da er eine vermeintlich psychisch kranke Frau aus der Klink zu sich nach Hause geholt hat und diese Frau dann in Flemmings Haus tot aufgefunden wird – erschossen mit Flemmings Dienstwaffe, ist es Ehrensache für Max noch ein letztes Mal für seinen Chef zu ermitteln. Zumal er von Frau und Kindern verlassen, seine Abreise ohnehin verschoben hatte. Obwohl Flemming seine Hilfe nicht annehmen möchte, reist Max erst ab, als der Fall gelöst und Flemming rehabilitiert ist. Selbstverständlich aber nicht, ohne seinem Chef das Versprechen abzunehmen, dass dieser ihn in Kanada besucht!
Die ewige Nummer Zwei…

Beim Publikum durchaus beliebt, bei seinem Chef manchmal gar nicht: der junge Max Ballauf (Bild:WDR)
Im Team um Flemming die ewige Nummer Zwei zu sein, dies war in Ballaufs Düsseldorfer Zeit die Tragik seiner Person. Was er auch unternahm und versuchte, um nur einmal seine Kollegin Miriam zu übertrumpfen: Iimmer scheiterte er. Mit seinen unkonventionellen Ermittlungsmethoden zog er Flemmings Zorn und nicht den so sehr erstrebten Respekt seines Vorgesetzten auf sich.
Eines war ihm jedoch stets gewiss: Die Sympathie der Zuschauer. Hier war er die Nummer Eins!
Er bestach – wie Miriam Koch dies ausdrückte – mit seinem „proletarischen Charme“, der von Behrendt so überzeugend dargestellt wurde, dass man ihn einfach gern haben muss: seinen jungen Ballauf!
Im Jahr 1997, nach dem Abschied der Figur Flemming vom TATORT, hatte Max Ballauf alias Klaus J. Behrendt sein Comeback in der Reihe. Nachdem er als Drogenfahnder in Miami gescheitert war, kam er – allerdings unverheiratet und kinderlos – nach Deutschland zurück. Hier wurde er als Hauptkommissar seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) als neuer Leiter der Mordkommission vor die Nase gesetzt.