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Heute ist der: 29.04.2017.
 

 Vom "Lonely wolf" zum Swinging cop

├ťber den Wandel der Figur Paul Stoever

├ťber 15 Jahre ist es her, da gab die ARD viertelj├Ąhrlich eine Brosch├╝re mit dem Namen ARD Fernsehspiel heraus. Darin enthalten waren Beschreibungen und Besetzungen zu den anstehenden Erstausstrahlungen und Wiederholungen im Fernsehprogramm. Unter die Rubrik "Fernsehspiel"? fielen damals auch die TATORTe, ├╝ber die man hin und wieder sogar etwas mehr als nur den Inhalt lesen konnte.

 

1984: "Der Neue", ein "Lonely Wolf"

Den Artikel zum ersten TATORT mit Manfred Krug schrieb 1984 der Drehbuchautor Peter Hemmer. Er lie├č es sich nicht nehmen, im Abschnitt "Der Neue", seinen Kommissar Paul Stoever vorzustellen. Und wenn man diese Zeilen jetzt, wenige Wochen nach Stoevers letztem Fall durchliest, ger├Ąt man doch gewaltig ins Schmunzeln.

Unser Mann hei├čt Paul Stoever, Paule, PS. Er ist Mitte 40 und lebt in Hamburg, in einem Haus am Stadtrand, das er geerbt hat. Aha, mag man jetzt denken. Das mit dem Alter d├╝rfte stimmen, und in Hamburg ist er bis zuletzt aktiv gewesen. Aber, hat ihn jemals irgendeiner "Paule" oder gar "PS" genannt? Und lebte Stoever nicht eher bei Brocki oder in notd├╝rftig eingerichteten Wohnungen? Nun ja, vielleicht habe ich die Umzugsgr├╝nde nicht mehr im Ged├Ąchtnis, schauen wir doch einmal weiter.

 

Wir lesen, da├č er ein "lonely wolf" sei, der im B├╝ro nicht viel rede, ├╝berhaupt nur selten in letzterem anzutreffen sei. Und weiter hinten steht dann noch, dass unser Paul Stoever keinen Assistenten hat, mit dem er Informationsdialoge f├╝hrt. In diesem Moment mu├č einem Peter Hemmer schon fast leid tun, denn was macht denn die Stoever-TATORTe schon ab dem 4. Fall aus? Richtig: Die Teamarbeit mit dem Kollegen Brockm├Âller. Dazu sind die zwei ├╝beraus kommunikationsfreudig und ein treuer Zuschauer k├Ânnte ohne Probleme aus den diversen B├╝roszenen ein originalgetreues Modell anfertigen. Als "lonely wolf" wie auf der Rettungsbake in der Nordsee (Tod auf Neuwerk) ist Stoever sp├Ąter nur selten zu sehen.

 

Stoevers Hobby: Segeln

Schauen wir doch einmal schnell auf die Hobbies von Paul Stoever anno 1984: Spielt er vielleicht schon gerne Klavier und singt dazu? Oder sitzt er gerne in der Kneipe bei einem Bier? Ist er Dauergast auf einem Campingplatz? Nein! Er segelt! Zusammen mit einem Kommissar in Rente aus ├ľvelg├Ânne (der, soweit ich mich erinnere, tats├Ąchlich in Haie vor Helgoland auftritt) besitzt er einen alten Elbsegler,  an dem mehr repariert werden mu├č, als er unter Segel steht?

Der "alte Fuchs" ist angeblich sein Vertrauter, in erster Linie Freund und Kumpel. Wenn ich allerdings bedenke, wie erfolgreich Stoever in Singvogel seine Wohnung einrichtet, kann ich mir denken, da├č der alte Kommissar dem Paule wegen seiner Faulheit bald Schiffsverbot erteilt hat. Definitiv war mit diesem Vertrauten aber nicht Brockm├Âller gemeint (man stelle sich das vor: Die beiden schippern "Einmal noch nach Bombay singend die Elbe hinunter!).

 

Ähnlichkeit zu Schimanski?

Paule hat ├╝brigens studiert, und zwar nichts geringeres als Jura. Und mit "Schimmi" verbindet ihn, dass er Mitleid hat mit dem Opfer und auch Verst├Ąndnis, ferner auch auf der anderen Seite sein k├Ânnte. Er hat sich aber dazu entschlossen, Polizist zu sein, Und das ist er folgerichtig mit Besessenheit, die Zweifel nicht ausschlie├čt. Nach der kurz(weilig)en Lekt├╝re dieser Personenbeschreibung stellt man jedenfalls fest, wie wandlungsf├Ąhig eine Kommissarenfigur nach fast 17 Jahren und 41 Folgen ist.

Immerhin kann man im letzten Absatz des Artikels doch etwas von Paul Stoever wiederfinden, was einem auch jetzt noch sehr passend erscheint. Hier hei├čt es: "Was Frauen betrifft, meint Paule, dieser Zug sei abgefahren. Er sei inzwischen so eigenbr├Âtlerisch, so kompromi├člos geworden, da├č er meint, er sei als Partner eine Zumutung, was ihn nicht daran hindert, gelegentlich r├╝ckf├Ąllig zu werden. Stimmt! Da war doch einmal etwas ... Ach ja, die Dame von den Britischen Inseln, die Stoever dazu bewegte, einen Englisch-Kurs bei der Polizei zu belegen. 

Ralph Christian Sch├Âttker
(geschrieben im Februar 2001)


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